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Esskultur 2.0 / Foto von fotolia.de

Analoger Käse & digitale Wurst – Esskultur 2.0 mit Fleischdruck und Star Trek

Wie kochen und genießen wir morgen?

Nebenan findet gerade eine Blogparade zum Thema “Esskultur 2.0 – Analoger Käse & Digitale Wurst: Wie kochen und genießen wir morgen?” statt. Das Social Media Dinner hat dazu am vergangenen Freitag aufgerufen und da ich dazugehörige, muss ich natürlich auch meinem eigenen Aufruf  irgendwie Folge leisten.

Esskultur 2.0 / Foto von fotolia.de
Esskultur 2.0 / Foto von fotolia.de

Ich will eigentlich nicht großartig mit Statistiken um mich werfen oder eine “10 Punkte zum Perfekten Dinner der Zukunft” Infografik erstellen, sondern einen ganz kleinen Blick nach Morgen werfen, ohne unbedingten Anspruch auf Vollständigkeit, Stringenz oder Ernsthaftigkeit.

Achtung – Artikel könnte an Bodenhaftung verlieren!

Jetzt, da ich selbst vor dem Artikel brüte, muss ich aber auch feststellen: ziemlich großes und breites Thema! Da bietet sich zum Beispiel die Möglichkeit über die Entwicklung der (etwas fokussiert vielleicht westlichen) Lebensmittelindustrie der vergangenen (sagen wir mal) 200 Jahre zu sinnieren und einen Ausblick auf weitere 200 Jahre zu spendieren. Zu weit nach hinten und irgendwie auch etwas zu generisch nach vorne gegriffen, für meinen Geschmack.

Wie wäre es dann also vielleicht mit dem Stattfinden von Essen im Social Web? Wie ist es um die Hashtags #foodporn #food oder vielleicht auch #pornfood (ok, letzterer gehört wohl sicher einem anderen Metier zugeordnet) bestellt? Was machen Instagram, Facebook, Twitter und Co. eigentlich mit uns und unserem Essen, was machen wir damit? Heißes Thema, weil man zum Beispiel über Statussymbole, Digital-Narzissmus und Ess- (Kommunikations-)Kultur ganze (E-)Bücher füllen kann. Schon irgendwie mein Thema aber nebenan, beim Social Media Dinner, finden diese Foodtografien schon statt, stellen wir Food, uns, Hosts, Tischgespräche, deutsche Grillmeisterschaften, Dinner, DigitalCuisines….irgendwie eine ganze Menge und davon noch viel mehr….dar.

Der Weltraum – unendliche Weiten

Wo also ansetzen? Neben der guten Küche und dem Social Media Dinner sind Science Fiction-Filme und -Serien ja auch irgendwie ein Hobby von mir.  Bei der Beantwortung der Frage “Wie kochen und genießen wir morgen?” – Ganz klarer Fall! – suche ich also erst einmal nach Orientierung bei Star Trek und Co. Dann wollen wir mal:

Star Trek war und ist Inspiration für viele Technologien des Hier und Jetzt: automatisch öffnende Türen, Smartphones & Tablet PC´s, vernetzte Computertechnologien oder neuerdings sogar für erste Designs eines möglichen Warpschiffes (nachzulesen bei www.iflscience.com).

Essen aus dem Reaktor

Ein anderes Gadget aus dem Star Trek Universum fand ich als Kind schon, wie Mr. Spock sagen würde, faszinierend: den Food-Replikator. Man spricht zu einer omnipräsenten künstlichen Intelligenz und wünscht sich von ihr, fast wie im Restaurant, zum Beispiel ein Stück Käsekuchen:

Was für eine Idee – Weltfrieden, das Ende von Hungersnöten und endlich Käsekuchen bis zum Abwinken!  Kein Anstehen an der Kasse mehr, keine Einkaufslisten mehr erstellen – Rezepte wälzen? Geschichte! Wäre das nicht großartig? Während andere neue Apps für ihre Smartphones ausprobieren, würde ich den ganzen Tag replizieren was das Zeug hält. “Computer…eine große Portion Currywurst Schranke!” – “Computer…Boeuf Bourguignon für zwei Personen und eine Flasche Petrus 1982″ – “Computer…” – lassen wir das.

Lebensmittelindustrie unter Druck

Ich wollte mich ja nur an der Serie orientieren und nicht gleich darüber nachdenken, was ich mit dem Lottogewinn alles anstellen würde. Die Frage an dieser Stelle ist also: Wie sieht diese Idee einer Zukunft gemessen an der heutigen Realität eigentlich aus und wie nah sind wir vielleicht schon an der tatsächlichen Umsetzung? Kurzum: das Szenario ist gar nicht mal mehr so weit weg, wie wir vielleicht vermuten (oder ich bis vor kurzem noch vermutet hätte):

Von Mozzarella zu analogem Käse zu digitaler Wurst -Der Weg zum Replikator

Mal davon abgesehen, dass die Perspektive von in Serie produzierten 3-D-Nahrungsmitteldruckern offensichtlich kurz bis mittelfristig gegeben ist, geht Esskultur (Achtug, steile These!) auch immer mit der Verwendung der verfügbaren Technologien und Werkzeuge einher. Während im Mittelalter die Versorgung mit Fleisch durch den Transport auf einem Karren zum Schweinemarkt gewährleistet wurde, so stehen wir heute im Dialog mit unseren Kühlschränken, reden vom Internet der Dinge, der (vollständigen) Verknüpfung von physischer und digitaler Welt.

Haushaltseinkauf 2.0: “Kühlschränke, die diesen Sekt kauften, bestellten  auch Selters”

Wie also Kultur (also im weitesten Sinne alles, was durch Menschenhand gestaltet und be- wie gelebt wird) an sich auf den physischen Marktplätzen in der Vergangenheit stattfand, der Weg des Schweinkopfes über die Theke des Schlachters zum heimische Kochtopf führte, so ist heute (oder sagen wir übermorgen) das digitale Marktschreien vielleicht der Anfang eines Dinners. Der Kühlschrank erhält von mir die Information französisches 3-Gänge-Dinner für 6 Personen am Samstag, registriert die noch verfügbaren Materialien, schlägt anhand dieser entsprechende Mahlzeiten/Rezepte vor und ordert, nach einer durch mich getätigten Menü-Auswahl, automatisch die Ingredienzien (und teilt das Ganze dann auf Facebook den betreffenden Personenkreis mit). Und während die Gäste dann am Samstag Platz nehmen, erzählt der Augmented- Reality-Tisch im Zusammenspiel mit Google Glasses Geschichten aus der Provence. Hey! Weniger Aufwand und mehr vom Tischgespräch – das ist doch super!

Heute Tablet, gestern der ganze Tisch

By the way, bereits 2007 hatte Microsoft unter dem Namen Surface “digitale” Tische im Angebot, die einen Besuch im Restaurant aufregend und multimedial gestalten sollten. Heute, 7 Jahre später, haben wir diese Idee in Form von Android, Apple und anderen mobilen Geräten und Plattformen in der Hosentasche und rufen auf Wunsch Restaurantkritiken, Informationen zur Herkunft der Begleitweine und den Standort von sich in der Nähe befindlichen Personen aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis ab. Wie die Vision “damals” aussah, das könnt ihr im folgenden Video sehen:

Pancakes ohne Netz und doppelten Boden

Ich persönlich freue mich auf eine Zukunft derartig vernetzter Möglichkeiten, würde mir aber auch, bei aller Liebe zur Technologie, im Leben nicht nehmen lassen, meine Pancakes auch wirklich selbst in der Pfanne zu backen. #instagram #foodporn Wie könnte ich noch voller Stolz mein Essen fotografieren und sharen ( ;) ), würden Kühlschrank, Mixer und Herd alle Küchenjobs vollständig für mich übernehmen?

Oder vielleicht…

Ist die Zukunft der Drucker auch die Zukunft der Foodfotografie? Was wäre, wenn ich im Restaurant das Dessert ablichte und mein heimischer 3-D-Food-Drucker speichert synchron bereits das Rezept. Zu Hause dann “Computer…für eine Person den Nachtisch meines letzten Fotos bitte!”

Scotty, beam me up!